TOP Ö : a) Ergänzung zur Vorlage 286/2008

Nachtrag: 03.04.2008 Nummer 1

Beschluss: in Abänderung des Beschlussvorschlages beschlossen

Abstimmung: Ja: 7, Nein: 4, Enthaltungen: 4

Beschluss:

Ausschussmitglied Eggerichs stellt den Antrag, dass der Ausschuss für Schule, Sport und Kultur Folgendes beschließen möge:


  1. Der aktuelle Sachstand über die Errichtung einer Gesamtschule im Landkreis Friesland wird zur Kenntnis genommen.

  2. Die Kreisverwaltung wird beauftragt, eine Elternbefragung in den derzeitigen 3. und 4. Klassen für die beiden möglichen Standorte durchzuführen.

  3. Die Kreisverwaltung wird ermächtigt, gegenüber dem Land alle Schritte einzuleiten, um eine IGS zum nächstmöglichen Zeitpunkt einzurichten.


Frau Bastrop gibt den Antrag von Herrn Eggerichs zur Abstimmung.



Im Nachgang zu der Vorlage Nr. 286/2008 vom 13.03.2008 liegen nunmehr die mittel- und langfristigen Schülerzahlenentwicklungen im Landkreis Friesland vor.


Diese Schülerzahlenentwicklungen beziehen sich auf die Schuljahre 2007/2008 bis 2016/2017.


Die Schülerzahlenentwicklungen und die Konsequenzen für die Klassenbildungen bezüglich der Schulstandorte Sande (Hauptschule und Realschule) und Schortens (Hauptschule und Realschule) sind in der als Anlage beigefügten Aufstellung (wurde mit der Vorlage übersandt) aufgeführt.


In dem Schulgebäude der HS/RS Sande stehen 20 allgemeine Unterrichtsräume und 13 Fachunterrichtsräume (Naturwissenschaften, Hauswirtschaft, Textil, Technik, Musik, Kunst, Computer sowie Hörsaal) zur Verfügung.


Das Schulgebäude der Hauptschule Schortens verfügt über 19 allgemeine Unterrichtsräume und 13 Fachunterrichtsräume.


Das Schulgebäude der Realschule Schortens hat 19 allgemeine Unterrichtsräume und 11 Fachunterrichtsräume.


Die Berechnung der Ausnutzung der allgemeinen Unterrichtsräume erfolgte unter Berücksichtigung des Erlasses des Nds. Kultusministeriums über Klassenbildung und Lehrerstundenzuweisung an den allgemein bildenden Schulen vom 09.02.2004.


Generell ist bei Berücksichtigung der mittel- und langfristigen Schülerzahlenentwicklungen insbesondere bei den Hauptschulen ein eklatanter Rückgang zu konstatieren.


Beide Hauptschulen in Sande und Schortens werden aufgrund der Schülerzahlen einzügig sein. Auch die Realschule Sande wird einzügig sein.


In dem Schulgebäude der HS/RS Sande werden somit voraussichtlich ab dem Schuljahr 2015/2016 von den 20 Klassenräumen lediglich 12 Klassenräume durch die Hauptschule und Realschule genutzt, es werden 8 Klassenräume leer stehen.


In dem Schulgebäude der Hauptschule Schortens werden ab dem Schuljahr 2015/2016 von den 19 Klassenräumen lediglich 6 Klassenräume genutzt, so dass 13 Klassenräume leer stehen werden.


Die 19 Klassenräume der Realschule Schortens werden nach den vorliegenden Schülerzahlen ohne eine Veränderung der Schullandschaft (hier: Einrichtung einer Gesamtschule) mittel- und langfristig voraussichtlich benötigt. Ab dem Schuljahr 2016/2017 wird ein Klassenraum leer stehen.


Insgesamt stehen somit unter Berücksichtigung der Schülerzahlenprognosen an den Schulstandorten Sande und Schortens mittel- und langfristig voraussichtlich 22 Klassenräume leer.


Am 27.03.2008 wurde mit verantwortlichen Vertretern der Landesschulbehörde, die auch in der Sitzung des Ausschusses für Schule, Sport und Kultur am 07.04.2008 zugegen sein werden, dieser Sachverhalt ausführlich erörtert.


Die Vertreter der Landesschulbehörde wiesen darauf hin, dass gemäß der Verordnung zur Schulentwicklungsplanung eine Gesamtschule im Sekundarbereich I (Jahrgangsstufen 5 bis 10) ausnahmsweise dreizügig geführt werden kann.


Unter Berücksichtigung der zu erwartenden Gesamtschulnachfrage im Landkreis Friesland sollte im Sekundarbereich I eine Fünf- bzw. Sechszügigkeit angestrebt werden.


Ausdrücklich wurde von der Landesschulbehörde empfohlen, auch aus Gründen der Akzeptanz und der didaktischen Qualität bei der Gesamtschule den Sekundarbereich II (Oberstufe, Jahrgangsstufen 11 bis 13 -2014/15 bzw. 2015/16 Einführungstermin-) mit zu berücksichtigen.


Bei einer fünfzügigen Sekundarstufe I wäre die Sekundarstufe II voraussichtlich dreizügig.


Bei Unterstellung einer fünfzügigen Sekundarstufe I und dreizügigen Sekundarstufe II würde sich sonach folgender Raumbedarf an Klassenräumen ergeben:


Sekundarstufe I

Sechs Jahrgangsstufen (5. bis 10. Jahrgangsstufe) x 5 Züge = 30 allgem. Unterrichtsräume

Sekundarstufe II

Drei Jahrgangsstufen (11. bis 13. Jahrgangsstufe) x 3 Züge = 9 Klassenräume

Gesamt: voraussichtlich 39 Klassenräume

Wie oben ausgeführt, stehen im Schulgebäude in der HS/RS Sande 20 Klassenräume und im Schulgebäude der Hauptschule Schortens 19 Klassenräume zur Verfügung, so dass dieser Gesamtbestand von 39 Klassenräumen den Bedarf einer fünfzügigen Gesamtschule im Sekundarbereich I und einer dreizügigen Gesamtschule im Sekundarbereich II grundsätzlich abdecken würde.


Zusätzliche wären die 13 Fachunterrichtsräume in Sande und die 13 Fachunterrichtsräume bei der Hauptschule Schortens zu berücksichtigen.


Die eingehende Erörterung dieses Sachverhaltes ergab, dass man sich unter Berücksichtigung des gegebenen Raumbestandes eine Gesamtschule vorstellen kann, die auf zwei Standorten verteilt ist.


So wäre es denkbar, dass in dem Schulgebäude der HS/RS Sande eine dreizügige Gesamtschule im Sekundarbereich I eingerichtet wird (6 Jahrgangsstufen x 3 Züge = 18 Klassenräume).


In dem Schulgebäude der Hauptschule Schortens würden im Sekundarbereich I zwei Züge eingerichtet (6 Jahrgangsstufen x 2 Züge = 12 Klassenräume) sowie die Oberstufe im Sekundarbereich II mit 9 Klassenräumen. Das voraussichtliche Fehl von einem Klassenraum könnte ggf. durch die Fachunterrichtsräume oder durch Räumlichkeiten der Realschule Schortens kompensiert werden, sh. o. a. langfristige Raumnutzung im Schulgebäude der Realschule Schortens.


Auch wäre alternativ eine Konstellation in der Form denkbar, dass in dem Schulgebäude der Hauptschule Schortens die dreizügige Sekundarstufe I der Gesamtschule eingerichtet würde und im Schulgebäude der HS/RS Sande die zweizügige Sekundarstufe I sowie die Oberstufe.


Die Variante, eine Gesamtschule mit zwei Standorten in Sande und Schortens im Sekundarbereich I und II zu errichten, hätte den Vorteil, dass diese Gesamtschule komplett ausgebaut wäre. Durch die zwei Standorte könnte man geografisch den Südkreis und den Nordkreis des Landkreises Friesland abdecken. Ferner wären bauliche Erweiterungsmaßnahmen voraussichtlich nicht notwendig.


Da bereits im laufenden Schuljahr 2007/2008 Klassenräume in der HS/RS Sande und in der Hauptschule Schortens leer stehen und sich dieser Prozess kontinuierlich fortsetzt (sh. oben), könnte die Gesamtschule sukzessive aufgebaut werden.


Durch die Errichtung einer Gesamtschule mit zwei Standorten in Sande und Schortens gehen voraussichtlich die Schülerzahlen bei den Haupt- und Realschulen zu Gunsten eines Besuchs der Gesamtschule zurück. Auch die Schülerzahlen bei den Gymnasien werden sich verringern.


So wäre es denkbar, dass die Realschule Schortens nicht mehr drei- bzw. vierzügig, sondern zweizügig laufen könnte.


An dem Schulstandort Schortens wäre daher auch eine kombinierte Haupt- und Realschule Schortens in den Räumlichkeiten der Realschule Schortens denkbar.


Durch diese Konstruktion könnten die Schülerinnen/Schüler aus Sande und Schortens in den Regelschulformen Hauptschule und Realschule weiterhin beschult werden.


Auch wäre es denkbar, dass die Schülerinnen/Schüler aus Sande und Schortens, die weiterhin eine Hauptschule besuchen wollen, die Hauptschule der HS/RS in Jever besuchen können. Aufgrund des auch bei der Hauptschule in Jever gegebenen Schülerzahlenrückgangs wäre durch diese Maßnahme ein Erhalt und eine Stärkung des Hauptschulstandorts Jever gewährleistet.


Da inzwischen sehr viele Schulen des Landkreises Friesland als Ganztagsschule geführt werden, ist grundsätzlich davon auszugehen, dass auch die Gesamtschule als Ganztagsschule geführt werden wird. Da es bei den meisten Gesamtschulen zum pädagogischen Konzept gehört, sie als gebundene Ganztangsschule zu führen, wäre der Ganztagsunterricht verpflichtend. Die Entscheidung hierüber würde jedoch die Schule selbst treffen.


Mit der Landesschulbehörde wurde ferner die notwendige Elternbefragung erörtert, sh. auch die o. a. Vorlage Nr. 286/2008 vom 13.03.2008.


Die konkreten Details zur Erstellung eines Erfassungsbogens zur Bedürfnisfeststellung für die Errichtung von Gesamtschulen im Landkreis Friesland werden in nächster Zeit erarbeitet.


Herr Thöle gibt einen kurzen Überblick über den bisherigen Sachstand zur Einrichtung einer Gesamtschule im Landkreis Friesland. Nachdem nun die konkreten Schülerzahlen und die Prognosen für einen Zeitraum für die nächsten 10 Jahre vorliegen, ist bereits jetzt abzusehen, dass es einen Rückgang von ca. 23 % geben wird.


Zu Beginn der Planungen einer Gesamtschule im Landkreis Friesland wurde festgestellt, dass die vorhandenen Räumlichkeiten zur Nutzung für die Gesamtschule herangezogen werden sollten. Bauliche Erweiterungen sollten nicht angestrebt werden.


Aus diesem Grund wäre eine Gesamtschule mit zwei Standorten in Sande und Schortens denkbar. Diese Schule könnte im Sekundarbereich I fünf Züge und im Sekundarbereich II drei Züge aufweisen. Die Aufteilung der Züge könnte im Verhältnis zwei zu drei erfolgen. Konkrete Vorschläge könnten der Politik nach einer erfolgten Elternbefragung sowie einer Abstimmung mit der Landesschulbehörde unterbreitet werden.


Vor diesem Hintergrund gilt es zu überlegen, inwieweit sich dadurch die vorhandene Schullandschaft verändern wird. Es gibt die Möglichkeit, in Schortens ebenfalls eine kombinierte Haupt- und Realschule einzurichten und die Schülerinnen/Schüler aus Sande dort oder in Jever zu beschulen.


Frau Nordhues, Landesschulbehörde, führt aus, dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass für Friesland eine IGS genehmigt würde, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen. Der Antrag auf Errichtung einer IGS kann erst dann gestellt werden, sobald die Änderung des Schulgesetzes beschlossen ist. Die Änderung wird wahrscheinlich frühestens Ende April/Mai 2008 beschlossen.

Ihrer Ansicht nach erscheinen die öffentlichen Verlautbarungen, die eine Errichtung zum 01.08.2008 propagieren, als nicht sachgerecht. Die Erfahrungen zeigen, dass eine Vorlaufzeit zur Er- und Einrichtung einer neuen Schulform einen Zeitraum von mindestens 6 Monate erfordern. In dieser Zeit müssen die Konzeption auch für den Ganztagsbetrieb erarbeitet, die Ausstattung bereitgestellt sowie die Zusammenstellung des Lehrerkollegiums umgesetzt werden. In ihren Planungsüberlegungen für die Lehrerversorgung zum neuen Schuljahr ist eine Gesamtschule Friesland nicht enthalten.

Aus ihrer Sicht sei es realistisch, die Genehmigung zum 01.08.2008 erhalten zu können. Allerdings sei mit der Aufnahme des Betriebes erst zum Beginn des Schuljahres 2009/10 zu rechnen. Vorher lägen die Voraussetzungen für einen guten Start nicht vor.


Herr Beier, Landesschulbehörde, hält es ebenfalls für unrealistisch und den Landkreis Friesland für schlecht beraten, eine neue Schule mit einem neuen Kollegium zum 01.08.2008 aus dem Boden zu stampfen. Das würde zum jetzigen Zeitpunkt bedeuten, bestehende Kollegien zu zerreißen und damit bestehenden Schulen zu schaden. Nur ein qualifizierter Vorlauf garantiere den Erfolg für die neue Schule.


Frau Nordhues empfiehlt die Einrichtung einer Planungsgruppe, die neben der Beantwortung der Frage von zwei Standorten auch die Konzeption der Gesamtschule entwickeln wird, denn die Klärung von derartigen Problemen ist eine Aufgabe der eigenverantwortlichen Schule, so dass dort die Lösungsfindung erfolgen muss.


Des Weiteren führt sie aus, dass die Zusammenstellung eines Lehrerkollegiums für eine Gesamtschule eine besondere Aufgabe des zuständigen Dezernates sei. Eine „Zwangsrekrutierung“ aus umliegenden Schulen gäbe es nicht. Vielmehr würden die in Frage kommenden Lehrkräfte gefragt, ob sie bereit wären, an der neuen Schule zu arbeiten. Man hätte keine guten Erfahrungen damit gemacht, jemanden gegen seinen Willen in eine Gesamtschule zu versetzen. Allerdings könne sie dieses auch nicht ausschließen.


Herr Beier bestätigt diese Auffassung. Nur mit Freiwilligen kann die Gesamtschule zu dem gewünschten guten Erfolg kommen.


Herr Wehnemann beantwortet die Frage nach weiteren örtlichen Möglichkeiten zur Errichtung der Gesamtschule dahingehend, dass es bislang keine Alternativen zu dem skizzierten Vorschlag mit zwei Standorten gibt. Durch die Errichtung der Gesamtschule wird es erhebliche Veränderungen in der Schullandschaft geben. Es sei allerdings erklärter politischer und der Elternwille in dieser Richtung tätig zu werden. Begründet wird die Standortwahl u.a. mit den vorliegenden Zahlen der Anmeldungen an der IGS Wilhelmshaven. Der Hauptanteil dieser Anmeldungen betreffen Schülerinnen und Schüler aus der Stadt Schortens und der Gemeinde Sande. Ferner sei zu beachten, dass die HS/RS Sande konkret einen Antrag auf Umwandlung in eine Gesamtschule gestellt habe. Auch würden die zwei Standorte Sande und Schortens, regional gesehen, den Landkreis Friesland abdecken.


Herr Beier führt zu weiteren Nachfragen aus, dass der Bedarf in Friesland an einer Gesamtschule unbestritten ist und dass es eine lange Tradition im Hinblick auf die Annahme der IGS gibt. Im Schnitt werden jährlich 120 friesische Schülerinnen/Schüler in Wilhelmshaven angemeldet, wobei davon auszugehen ist, dass dieses die untere Grenze ist. Das Bündnis für die IGS hat 431 Eltern ermittelt, die ihre Kinder zur IGS schicken würden. Dies wirft die Frage auf, was passiert mit den Schülern, die nicht aufgenommen werden können und die weitere Frage, was mit den Bestandsschulen passiert.


Frau Nordhues ergänzt, dass die erforderliche qualifizierte Elternabfrage erst nach Änderung des Schulgesetzes durchgeführt werden kann. Es könnte aber möglich sein, bei der Landesschulbehörde eine Einzelfallentscheidung zu beantragen, diese Abfrage auch schon früher durchzuführen.


Herr Wehnemann weist darauf hin, dass umgehend mit der Landesschulbehörde das weitere Vorgehen besprochen werden soll.

In der Aussprache geht es im Wesentlichen um die Frage, ob die Elternbefragung mit der Option Schulbeginn 01.08.2008 durchgeführt werden sollte. So äußern sich mehrere Ausschussmitglieder dahingehend, dass dieser Termin doch unrealistisch sei und man den Eltern Klarheit vermitteln müsse. Ausschussmitglied Thiesing stellt den Antrag, eine Abfrage zu Schulbeginn 2009 zu machen und in Ruhe die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen. Einige Ausschussmitglieder verweisen auf die Ausführungen der neuen Kultusministerin, die eine vorzeitige Genehmigung lt. Zeitung in Aussicht gestellt hätte. Daraufhin stellt Ausschussmitglied Eggerichs den u. a. Antrag.



Abstimmungsergebnis:

7 Ja-Stimmen, 4 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen