TOP Ö 3.2.1: "Runder Tisch" zur beruflichen Aus- und Fortbildung, hier: 1. Bedarfsanalyse Ausbildungssituation Wilhelmshaven-Friesland 2. Übergangsmanagement Schule-Beruf

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Mitte 2006 hat sich auf Initiative des Landkreises Friesland ein „Runder Tisch“ zur beruflichen Aus- und Fortbildung gegründet. Neben den Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Wilhelmshaven und des Landkreises Friesland, der Schulen, der Kammern und Verbände, der Bundesagentur für Arbeit sowie Bildungsträger angehören. Schnell wurde in den Arbeitssitzungen deutlich, dass bisher eine flächendeckende, institutionalisierte und koordinierte Verantwortung fehlt. Dies kann man bundesweit feststellen. So gibt es viele Akteure, die oft unkoordinierte Einzelprojekte durchführen. Um hier mehr Klarheit zu schaffen, wurde ein Bremer Beratungsbüro beauftragt, eine Studie mit dem Titel „Bedarfsanalyse Ausbildungssituation“ zu erstellen. Für die Untersuchung wurden Daten zur demografischen Entwicklung und zum Ausbildungsmarkt der Region ausgewertet sowie Jugendliche, Unternehmensvertreter, Lehrkräfte und Mitarbeiter in berufsqualifizierten Maßnahmen befragt.


Erkennbar ist, dass die Probleme beruflicher Orientierung für viele Schüler und Schülerinnen trotz vielfältiger und teils langjähriger Ansätze keineswegs gelöst sind und weiterhin großer Unterstützungsbedarf herrscht. Vor allem leistungsschwächere Jugendliche haben Probleme, den direkten Weg in die Ausbildung zu finden. Angesichts der demografischen Entwicklung muss die regionale Wirtschaft künftig alle Ressourcen nutzen, um ihren Fachkräftebedarf zu decken.


Aus den Datenbefunden leitet die Studie eine Reihe von Handlungsempfehlungen her:


  • Berufsorientierung muss früher und intensiver betrieben werden und stärker in die Unterrichtspläne der Allgemeinbildenden Schulen eingebunden werden;

  • die Betreuung Jugendlicher mit Förderbedarf muss kontinuierlich gewährleistet sein, etwa durch einen Ansprechpartner über den gesamten Förderverlauf;

  • das Verantwortungsbewusstsein von Eltern, Wegbereiter für die beruflichen Orientierung ihrer Eltern zu sein muss gestärkt werden;

  • die Region benötigt wesentlich mehr Praktikumsangebote, bei denen auch geringer qualifizierte Jugendliche ihre praktischen Fähigkeiten sichtbar machen können;

  • massive Defizite bestehen oft bei grundlegenden Fähigkeiten wie Pünktlichkeit, Leistungsbereitschaft, Sorgfalt und Umgangsformen. Ein schulisches Berufsreifetraining kann helfen, diese aufzuarbeiten;

  • viele Jugendliche benötigen eine stärkere Unterstützung im Hinblick auf die Entwicklung eines realistischen Selbstbildes.


Bemerkenswert ist der in der Studie festgestellte hohe Bedarf an psychosozialer Hilfe. Problematisch erscheint vor allem das geringere Selbstwirksamkeitsempfinden vieler Jugendlicher, also die Überzeugung, durch eigenes Handeln etwas erreichen zu können, wie z. B. einen Ausbildungsplatz zu finden. Vor allem Förderschülerinnen und -schüler sowie Jugendliche in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen benötigen hier Unterstützung.


Eine der wichtigsten Handlungsempfehlungen der Studie ist schließlich die zentrale Koordinierung der regionalen Aktivitäten in Form eines verbindlich kooperierenden Netzwerkes am Übergang Schule-Beruf. Dies geschieht im Rahmen des regionalen Übergangsmanagements, dass die Volkshochschule Wilhelmshaven im Auftrag der Stadt Wilhelmshaven und des Landkreises Friesland bis 2012 aufbaut. Das Koordinierungsbüro Wilhelmshaven setzt die in der Studie ausgesprochenen Empfehlungen praktisch um und führt die Datenerhebung als Längsschnittstudie vor.


Auf der Grundlage der erhobenen Daten werden die Schnittstellen der einzelnen Institutionen auf dem Weg in die Ausbildung transparent gemacht und die Akteure und Prozesse besser aufeinander abgestimmt. Fehlende oder nicht optimal ausgestaltete Unterstützungsleistungen am Übergang in der Ausbildung werden eingeführt oder verbessert. Die konsequente Nutzung kommunaler Gestaltungsmöglichkeiten sollen die Rahmenbedingungen vor allem für Förderbedürftige Schülerinnen und Schüler verbessern und ihnen einen zügigen und reibungslosen Einstieg in den Beruf ermöglichen. Durchgeführt wird das Übergangsmanagement als Teil des Bundesprogramms „Perspektive Berufsabschluss“.


Der Leiter des Koordinierungsbüros, Herr Sven Pieper wird in der Sitzung die Ergebnisse der aktuellen Studie sowie das Projekt Übergangsmanagement Wilhelmshaven-Friesland vorstellen. Siehe auch www.perspektive-berufsabschluss.de und www.berufseinstieg-wilhelmshaven-friesland.de (zur Zeit in Vorbereitung).


Die nächste Sitzung für den „Runden Tisch“ ist am 17.03.2009 geplant. In dieser Sitzung sollen auch Vorschläge für Maßnahmen zur Umsetzung der Ergebnisse der Bedarfsanalayse erarbeitet werden. Die Angelegenheit wird den Gremien dann zur Beschlussfassung wieder vorgelegt.


Herr Wehnemann führt kurz in die Thematik ein und stellt den Leiter des Koordiniungsbüros, Herrn Sven Pieper, dem Gremium vor.


Anhand der in der Anlage beigefügten Präsentation stellt Herr Pieper die Arbeit des Runden Tisches vor. Es handelt sich bei dem vorgestellten Konzept um eines von 27 bundesweiten Modellprojekten im Bereich des Übergangsmanagements Schule-Beruf.


Gerade in Zeiten des demografischen Wandels ist es dringend erforderlich, etwas für die Berufsorientierung zu tun, denn die Auswirkungen sind jetzt spürbar. Es herrscht akuter Fachkräftemangel in allen Berufsfeldern. Wo früher noch Abiturienten als Auszubildende eingestellt werden konnten, kommen jetzt Haupt- oder Förderschüler zum Zuge.


Das vorgestellte Konzept soll ein Grundgerüst zur Berufsorientierung darstellen, auf dem auch mit bestehenden Strukturen aufgebaut werden kann. Als Beispiel wird dazu das funktionierende Qualifizierungsnetzwerk in der Stadt Varel genannt, welches jetzt in Richtung Bockhorn, Sande und Zetel ausgedehnt werden soll. Funktionierende, lokale kleinere Lösungsansätze sollen durch das Projekt nicht verdrängt sondern in eine regionale Lösung mit einbezogen werden. Diese regionale Ansatz erfordert eine gut organisierte Steuerung.


Die Mitarbeit im Projekt wird den Schulen nicht auferlegt, aber der Landkreis Friesland würde sich über eine intensive Mitarbeit freuen. Denn eines hat das Projekt bislang aufgezeigt. Die Schüler brauchen weit über das Schulangebot hinaus Hilfestellung, um sich im Berufsleben behaupten zu können. Dazu bietet das Regionale Übergangsmanagement Wilhelmshaven-Friesland eine große Plattform, damit sich die Schüler aber auch Lehrer und Arbeitgeber weitgehend informieren können.


Der Sachstandsbericht wird zur Kenntnis genommen.