TOP Ö 3.2.1: Berufsorientierung, hier: Kooperation zwischen allgemein bildenden Schulen und berufsbildenden Schulen im Landkreis Friesland

Beschluss: einstimmig beschlossen

Beschluss:

Der Beschlussvorschlag, den ausgearbeiteten Kooperationen zwischen allgemein bildenden Schulen und berufsbildenden Schulen im Landkreis Friesland zuzustimmen, wird angenommen.


Nach § 9 Nds. Schulgesetz erhalten Hauptschülerinnen und -schüler künftig in ihrem Bildungsgang sowohl eine grundlegende Allgemeinbildung als auch eine individuelle Berufsorientierung sowie eine individuelle Schwerpunktbildung in der beruflichen Bildung bis hin zu einer beruflichen Grundbildung.


Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler eine passende Berufswahlentscheidung treffen können, die auf einer realistischen Selbsteinschätzung, einer guten Kenntnis der vorhandenen Möglichkeiten und der Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes (künftiger Fachkräftebedarf) basiert.


Hauptschulen und berufsbildende Schulen sollen zukünftig enger zusammenarbeiten, berufsbildende Angebote können Teil des Unterrichtsangebots an Hauptschulen werden. Die Zusammenarbeit kann unter Berücksichtigung der jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort bis zu einer Verzahnung des Unterrichts in der Hauptschule mit dem Fachpraxis- und Fachtheorieunterricht in der berufsbildenden Schule erfolgen.


Es ist vorgesehen, dass Praxistage in der Schule, in Betrieben, in berufsbildenden Schulen oder anderen geeigneten Einrichtungen durchgeführt werden können. Die Zusammenarbeit mit einer berufsbildenden Schule, Betrieben oder anderen Einrichtungen ist Teil der fächerübergreifenden Berufsorientierung und Berufsbildung.


Das Nds. Kultusministerium hat den Erlass „Die Arbeit in der Hauptschule“ überarbeitet. Danach erarbeiten die Schulen ab dem Schuljahr 2010/2011 auf der Grundlage des Erlasses unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen vor Ort ihr Konzept zur Berufsorientierung.


Der Schulträger hat mithin nach den vorgenannten Ausführungen Sorge dafür zu tragen, dass den allgemeinbildenden Schulen an den berufsbildenden Schulen die notwendige Berufsorientierung vermittelt wird. Konkrete Vorgaben über die Art und Weise der Umsetzung vor Ort werden nicht gegeben.

Es handelt sich um eine Pflichtaufgabe des Landkreises. Die sich ergebenden Ausgaben sind insoweit unabweisbar. Die Höhe und die Steuerung der Ausgaben ergeben sich aus der konkreten Umsetzung vor Ort.


Zu Umsetzung der Vorgaben in dem genannten Erlass fanden in den letzten Monaten diverse Besprechungen zwischen der Landesschulbehörde, den Hauptschulen und den berufsbildenden Schulen im Landkreis Friesland statt, um gemeinsam zu erörtern, wie und mit welchem Inhalt Kooperationen zwischen allgemein bildenden Schulen und berufsbildenden Schulen im Landkreis Friesland abgeschlossen werden können.


An diesen Besprechungen nahmen auch die Realschulen und Förderschulen teil, da auch diese Schulen von einer verstärkten Berufsorientierung betroffen sind.


Es ist gelungen, trotz der engen Zeitvorgabe Kooperationen zwischen den allgemein bildenden Schulen und den berufsbildenden Schulen abzuschließen, die den Erlassanforderungen entsprechen.


Hierbei konnte insbesondere auf die positiven Erfahrungen zwischen den berufsbildenden Schulen Jever und einzelnen Hauptschulen im Landkreis Friesland zurückgegriffen werden, da bereits in der Vergangenheit auf freiwilliger Basis entsprechende Kooperationen zur verstärkten Berufsorientierung entwickelt wurden („Region des Lernens“).

Die Schülerinnen/Schüler der Inselschule Wangerooge besuchen bereits seit diesem Jahr in den BBS Jever Betriebs-/Praxistage, sh . auch Vorlage Nr. 594/2009 (TOP 3.2.2 der Sitzung des Ausschusses für Schule, Sport und Kultur vom 01.12.2009).

Die ausgearbeiteten Kooperationen zwischen den allgemein bildenden und den berufsbildenden Schulen liegen als Anlagen 1 und 2 dieser Niederschrift an.


Die Umsetzung der Kooperationen ziehen Mehrkosten bei den Lehr- und Lernmitteln und bei der Schülerbeförderung nach sich, die der Landkreis Friesland als Schulträger und Träger der Schülerbeförderung zu finanzieren hat. Die Mehrkosten bei den Lehr- und Lernmitteln belaufen sich auf ca. 16.000,00 € p.a., bei der Schülerbeförderung auf ca. 30.000,00 € p.a.


Auch nach Rücksprache mit dem Nds. Landkreistag liegen hier „neue, zusätzliche“ Mehrkosten vor, die aufgrund landesgesetzlicher Vorgaben entstehen.


Aufgrund des sogenannten Konnexitätsgebotes in der Nds. Verfassung sind diese Mehrkosten grundsätzlich vom Land Niedersachsen zu tragen.


Zu diesem Zweck wird der Landkreis Friesland nach Ablauf des Haushaltsjahres 2011 eine Hochrechnung der Ist-Kosten vornehmen und diese beim Land Niedersachsen geltend machen.


Die Verwaltung wird zu gegebener Zeit erneut berichten.


Nach Auskunft der Landesschulbehörde ist der Landkreis Friesland eine der ersten kommunalen Gebietskörperschaften, in denen rechtzeitig mit Schuljahresbeginn die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt wurden.


Die Herren Martin, Leiter der Region des Lernens im Landkreis Friesland, und Uphoff, Abteilungsleiter von den Berufsbildenden Schulen Jever, die maßgeblich die Kooperationen ausgearbeitet haben, werden in der Ausschusssitzung am 26.08.2010 diese im Einzelnen erläutern.


Nach Änderung der § 9 und 10 des Nds. Schulgesetzes sollen alle Hauptschulen, Realschulen und Förderschulen künftig in Ihrem Bildungsgang sowohl eine grundlegende Allgemeinbildung als auch eine individuelle Berufsorientierung sowie eine individuelle Schwerpunktbildung in der beruflichen Bildung bis hin zu einer beruflichen Grundbildung erhalten.


Hierzu berichtet zunächst Herr Thöle über die bereits bestehende Kooperation „Region des Lernens“, in der die BBS Jever bereits mit einigen Haupt- und Realschulen zusammen arbeitet.



Herr Martin ist zuständig für die sogenannte Leitstelle der „Region des Lernens“ und koordiniert u.a. die Zusammenarbeit zwischen den berufsbildenden Schulen und den allgemein bildenden Schulen im Landkreis Friesland.


Herr Uphoff ist der Abteilungsleiter der technischen Berufsfelder und Koordinator für Berufsorientierung an den BBS Jever.


Die Herren haben gemeinschaftlich mit den berufsbildenden und allgemein bildenden Schulen, der Landesschulbehörde und dem Landkreis Friesland ein Ausbildungs-konzept (liegt als Anlage an 3) erarbeitet, wie die Zusammenarbeit im Einzelnen zwischen den berufsbildenden und allgemeinbildenden Schulen konkret aussehen soll. Dieser wird dem Ausschuss präsentiert.


Im Einzelnen wird auf die Entstehung der Berufsorientierung im Landkreis Friesland eingegangen:


Bereits seit 2001/2002 gibt es eine Zusammenarbeit zwischen der HS Jever und der BBS Jever und durch dort erzielte Erfolge haben sich die Kooperationen kontinuierlich auch auf andere Schulen erweitert. Ebenso gibt es seit ca. 10 Jahren eine Zusammenarbeit zwischen der Förderschule Varel und der BBS Varel.


Bei der Vorstellung der neuen § 9 und 10 Nds. Schulgesetz wird noch einmal deutlich gemacht, dass ein gesetzlicher Anspruch der Schüler auf berufsorientierten Unterricht vorliegt. Insgesamt sind im Schuljahr 2010/2011 863 Schüler nach dem vorgestellten Modell zu unterrichten. Diese sind mit Hilfe eines Belegungsplanes auf die BBS Jever und auf die BBS Varel verteilt. Zur Zeit übernimmt die BBS Jever einen deutlich größeren Part der Beschulung. Dies liegt auch an den Bauarbeiten, die in der BBS Varel momentan durchgeführt werden. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden auch die Kapazitäten der BBS Varel stärker ins Modell einbezogen, so dass die berufsorientierenden Unterrichtseinheiten der Schulen aus dem Südkreis grundsätzlich an der BBS Varel stattfinden werden. Zusätzlich zum Unterricht an den BBS werden die Schüler Praktika absolvieren.


Pro Schüler pro Stunde fallen voraussichtlich zurzeit 0,25 € für Lehr- und Lernmaterialien an. Dies ergibt insgesamt Kosten von ca. 16.000,-- € jährlich.

Hinzu kommen noch die Kosten der Schülerbeförderung, die auf ca. 30.000 € geschätzt werden.

Nach einem Jahr „Probelauf“ werden die Kosten auf ihr Validität hin überprüft.


Die Verwaltung wird versuchen, diese nach dem sogenannten Konnexitätsprinzips der Nds. Verfassung beim Land Niedersachsen geltend zu machen.


Nach einigen Fragen und Anmerkungen über die evtl. Besserstellung von der BBS Jever gegenüber der BBS Varel und Äußerungen über Bedenken durch die Kürzung des allgemeinen Unterrichts hebt Herr Ambrosy noch einmal hervor, dass es keine Unterschiede zwischen den Schulstandorten gebe und dass vor dem Hintergrund der Gleichbehandlung alle Schüler die gleichen Voraussetzungen vorfinden müssen. Aus diesem Grund würden auch die Schüler aus dem Südkreis an der BBS Jever im Blockmodell in den Berufsfeldern unterrichtet, die es in Varel nicht gibt.


Darüber hinaus gehe um Prävention gegen Schulabbrecher, hier müssten die Betriebe und die Schulen mehr zusammen wachsen. Es entstehe hier eine Chance. Durch den demografischen Wandel kippt der Lehrstellenmangel und Betriebe suchen Auszubildende.


Diese Maßnahme sei notwendig. Da die Tendenz auch zur verpflichtenden Ganztagsschule gehe, sei dann das Thema der fehlenden Stunden kein grundsätzliches Problem mehr.




Abstimmungsergebnis:

einstimmig