Kreiseigenes Ausbildungsplatzförderungsprogramm des Landkreises Friesland

Betreff
Kreiseigenes Ausbildungsplatzförderungsprogramm des Landkreises Friesland
Vorlage
280/2008
Aktenzeichen
01/5.1
Art
Vorlage

Begründung:


Seit vielen Jahren fördert der Landkreis Friesland das Engagement von Unternehmen mit Sitz der Betriebsstätte im Landkreis Friesland. Der ursprüngliche Ansatz, durch die Einsparung eigenen Nachwuchses zusätzliche Ausbildungsplätze im Handwerk zu fördern, wird bereits seit vielen Jahren nicht mehr praktiziert.


Der Haushaltsansatz beträgt in 2008 40.700,- €. Diese Summe orientiert sich an der Empfehlung des Wirtschaftsausschusses vom 13.06.2006, und dem letztlich darauf folgenden Beschluss des Kreistages vom 17.07.2006. Darin wurde beschlossen, Mitnahmeeffekte zu vermeiden, Erstausbildungen zu präferieren und ein Teil der Mittel für schwer vermittelbare Jugendliche einzusetzen. Mit letztgenannter Maßnahme sollte zusammen mit dem ProAktiv-Center des Landkreises der ständig wachsenden Gruppe kaum vermittelbarer Jugendlicher begegnet werden.


Insgesamt können mit dem vorhandenen Mittelansatz bis zu 15 zusätzliche Ausbildungsplätze je Kalenderjahr bezuschusst werden. Als zusätzlich sind die Ausbildungsplätze dann zu bewerten, wenn erstmalig oder mehr als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre ausgebildet wird. Trotz der in 2006 beschlossenen Vorgehensweise lassen sich die damals festgelegten Tatbestände nur zum Teil umsetzen. In der Praxis – und das gilt auch für die Erkenntnisse in den ersten Wochen in 2008 – stellen immer noch eine Reihe von Betrieben jährlich einen Antrag auf Förderung eines Ausbildungsplatzes. Dem gegenüber stehen eine ähnlich hohe Zahl von Betrieben, die neu oder Zeit erneut ausbilden.


Mit den Jahren hat sich die Situation am Arbeitsmarkt jedoch gänzlich gewandelt. Die vielen Aktionen der vergangenen Jahre, die verschiedenen Förderhilfen und die wachsende Wirtschaft haben dazu geführt, das die abgeschlossenen Ausbildungsverträge kontinuierlich angestiegen sind. Das belegen die Zahlen der Oldenburgischen IHK für den Kammerbezirk und den Landkreis Friesland. Diese Zahlen belegen, das die Steigerung im Landkreis Friesland von 2002 zu 2007 44 % betrug, während der Anstieg in gleichem Zeitraum im Kammerbezirk lediglich mit 28 % zu Buche schlug.


Die Zahlen im handwerklichen Bereich liegen leider nicht vor, weisen jedoch laut Aussage der Kreishandwerkerschaft Friesland ebenfalls einen leichten Anstieg in den letzen Jahren aus.


Das Engagement der Unternehmer, mehr für die Jugendlichen zu tun und den eigenen Nachwuchs zu fördern, ist damit voll erreicht worden.


Der oben bereits genannte Wandel der Situation liegt darin begründet, dass bei Wegfall der einfachen Tätigkeiten und immer anspruchsvolleren Ausbildungsberufen immer weniger Jugendliche die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildungszeit mitbringen. Dazu kommt die demografische Entwicklung der Jugendlichen, die sich laut der Bertelsmann-Stiftung im Landkreis Friesland bei den unter 18jährigen in den Jahren bis 2020 von 20,5 auf 15,6 % der Bevölkerung von ca. 100.000,- verringert (gleicher Verlauf wie auf Bundeslandesniveau). Vereinfacht dargestellt werden die Unternehmen in Kürze um jeden jungen Menschen werben müssen, um die anfallende Arbeit zu bewältigen.


Daher haben sich der Bund und die Bundesländer vor zwei Jahren bereits entschlossen, verstärkt in die qualitative Förderung der jungen und potenziellen Auszubildenden einzusteigen. Ein Großteil dieses Fördergelder, die häufig auch aus Mitteln der EU und hier des Europäischen Sozial Fonds refinanziert werden, gehen in die Verbesserung der konzeptionellen Arbeit mit den Jugendlichen. Der andere Teil wird direkt den Unternehmen zur Verfügung gestellt, die einen Ausbildungsplatz für Jugendliche einrichten, die über Vermittlungshemmnisse verfügen.


So hat sich der Bund jetzt entschieden, ein neues Programm mit Namen „BONUS“ aufzustellen, was 100.000 zusätzliche Ausbildungsplätze in Deutschland schaffen soll. Das Programm startet Mitte 2008 und löst dann bspw. das niedersächsische Programm „2000 * 2.500,00 €“ ab. Hier werden zwischen 4.000,- und 6.000,- € je zusätzlichen Ausbildungsplatz einmalig und nach der Probezeit vergeben, wenn der oder die Jugendliche ein Hauptschulabgänger oder ein schwacher Realschüler ist.


Die Wirtschaftsförderung möchte diese Entwicklungen mitgehen und beteiligt sich als einer von vielen Partnern am „Runden Tisch für Ausbildung und Qualifizierung in Wilhelmshaven und Friesland“. In diesem Gremium arbeiten Berufsschulen, Kammern, Verbände, das Job-Center, die Bundesagentur für Arbeit sowie die Kommunen zusammen, um die Unternehmen zu unterstützen und diese zu motivieren, weiterhin ausreichend Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Derzeit werden dort konzeptionelle Ansätze für ein Ausbildungsplatzbüro erstellt, das bspw. durch Programme des Bundes wie „JobStarter“ in der Durchführungsphase kofinanziert werden könnten. Gelänge dieser Ansatz, so könnte man koordiniert an diesem Thema arbeiten


Da das Thema Ausbildung und Qualifizierung auch ein Schwerpunktthema des im Aufbau befindlichen Regionalmanagements ist, soll interkommunal über diese Schiene eine weitere inhaltliche und auch finanzielle Begleitung und Stützung erfolgen.


Im Ergebnis schlägt die Verwaltung daher vor, das kreiseigene Ausbildungsplatzförderungsprogramm nicht mehr weiter zu führen.

Beschlussvorschlag:

Der Landkreis Friesland stellt sein Ausbildungsförderungsprogramm – wie seit Jahren praktiziert – ein. Die Verpflichtung der bereits bewilligten Maßnahmen werden erfüllt.

Finanzielle Auswirkungen: Ja

Gesamtkosten der Maßnahmen (ohne Folgekosten)

Direkte jährliche Folgekosten

Finanzierung:


Eigenanteil

objektbezogene Einnahmen



Sonstige einmalige oder jährliche laufende Haushaltsauswirkungen


Erfolgte Veranschlagung: Ja, mit 40.700,00 €

im Verwaltungshaushalt, Haushaltsstelle: 7910.71400


gez. F. Schnieder

__________________ _____________________

Sachbearbeiter/in Fachbereichsleiter/in

Sichtvermerke:


________________ ________________ ________________

Abteilungsleiter Kämmerei Landrat

Beratungsergebnis:

Einstimmig

Ja-Stimmen



Nein-Stimmen



Enthaltungen



Kenntnisnahme

Lt. Beschluss­vorschlag

Abweichender Beschluss